Spalier-Obstbäume - der zweidimensionale Obstgarten
Die Möglichkeiten und Vorteile der Erziehung von Spalier-Obstbäumen:
• Optimale Flächen-Ausnutzung aufgrund des geringen Platzbedarfs und Anpassung der Baumformen an die räumlichen Verhältnisse.
• Wärmeliebende Obstarten lassen sich auch in kälterem Klima kultivieren, mit besserer Qualität und außerhalb ihrer sonstigen Grenzen.
• Gestaltende Elemente als Sicht- oder Windschutz,schattenspendende Pergola oder einfach dekorativ durch Frucht- und Blütenschmuck.
Zwei wichtige Aspekte bei der Entscheidung für ein Obst-Spalier: Schöne Spalierbäume mit reichem Blüten- und Fruchtbesatz müssen langsam heranwachsen, 5-7 Jahre – am besten man erzieht sie sich selbst. Und: auch anschließend brauchen diese Kunstformen regelmäßig Schnitt, sonst bleiben sie nicht so!
Die Erziehungskunst der Form-Obstbäume besitzt jahrhundertelange Tradition, die auf die Schloßgärten der Barock-Epoche zurückgeht. Von der Oberschicht gelangte die Methode in die bürgerlichen Obstgärten – speziell auch für edleres Obst an wenig begünstigten Standorten. Weiter bot sie später in den städtischen Arbeitergärten die Möglichkeit zur Selbstversorgung mit Obst, das sonst nicht erschwinglich war.
Die Methode ermöglicht frühe und hohe Erträge. Ursprünglich hatte man dazu die gleichen starkwüchsigen Unterlagen, wie für Hochstamm-Obstbäume – schwächere Unterlagen ermöglichen jetzt kleinere Bäume und erleichtern die Erziehung. Für gute Obstspaliere mit dichtem Fruchtbehang braucht es etwas Geduld: ca. ½ Meter Zuwachs pro Jahr – ansonsten bekommt man nur lange Äste mit wenigen Früchten und diese überwiegend ganz oben. Die Schnittarbeit ist nicht sehr schwer, darf aber auch nach Erreichen der gewünschten Höhe nicht vergessen werden: mehrmals im Jahr schnibbeln und binden – sonst wächst der Spalierbaum wieder wie er will und verliert seine Form.
Ob die verschiedenen klassischen oder freie Formen, die Grundprinzipen sind immer die gleichen:
• Hauptäste, welche angebunden werden an einer Haltevorrichtung (Wandhaken, Draht- oder Lattengerüst, Pergola)
• Enger Besatz mit gut verzweigten Kurztrieben, welche früh und reich blühen.
Um dies zu erreichen werden die Verlängerungen der Hauptäste in der gewünschten Form angebunden und während der Aufbauphase im Winter oder Frühjahr um ca. ½ zurückgeschnitten, damit sie besser verzweigen.
Aus den Seitentrieben werden Fruchtquirle erzogen: damit diese gut verzweigen und auf engem Raum viele Blüten bilden, erfolgt im Winter ein Einkürzen auf 2-3 Augen, im Juni wird zusätzlich pinziert – Spitze entfernen auf 4-6 Augen. Hierfür nutzt man seitliche und nach Unten weisende Triebe, weil diese sich schneller beruhigen lassen. Senkrecht auf der Astoberseite stehende Seitentriebe sind schwerer zu bremsen und werden deshalb entfernt.
Ebenso ist es mit senkrechten Hauptästen im Vergleich zu schräg bzw. waagerecht geführten: während erstere schnell lang und kopflastig werden, verzweigen die schrägen Äste williger und dichter. Bei sehr flachen waagerechten Formen ist der Saftfluß so stark gebremst, dass früh viel Blütenholz ansetzt, oft zu viel – andererseits reagiert der Baum auf die unnatürliche Form wieder mit senkrechten, schwer zu bremsenden Wasserschossen.
Die Wirkungen im Vergleich:
Senkrechte Äste: hoher Saftdruck oben, für höhere Spaliere, Neigung zum Verkahlen der unteren Partien – Gegensteuern durch regelmäßige Spitzenbehandlung (Bsp. ‚U-Form‘, ‚Doppel-U-Form‘, ‚Senkrechter Schnurbaum‘, ‚Verrier-Palmette‘)
Schräge Äste: gutes Gleichgewicht zwischen Wachstum und Fruchtansatz, für mittelgroße Formen, bessere Vitalität, weniger Schnittarbeit (‚Y-Form‘, ‚Schräge Palmette‘, ‚Fächer-Spalier‘)
Waagerechte Äste: geringerer Saftdruck, für niedrigere Baumformen, früher und zahlreicher Fruchtertrag, u.U. Kleinfrüchtigkeit durch Überbehang bei schlechterer Saftversorgung, schnellere Alterung, mehr Arbeit durch zu kontrollierende senkrechte Triebe. (Bsp. ‚Waagerechter Cordon‘, ‚Waagerechte Palmette‘)
Obstsorten mit schwächerem Wuchs lassen sich leichter in Spalierform erziehen als starkwüchsige: da sie früher und meist auch regelmäßiger tragen, muss weniger gegensteuert werden. Auch sind solche Sorten besser geeignet, welche kurze Internodien bilden und gut verzweigen – z.B.: die Äpfel Goldparmäne, Prinz Albrecht, Freiherr von Berlepsch, Topaz. und die Birnen Vereinsdechantsbirne, Gute Luise, Williams Christ.
Auch aus Steinobst-Sorten lassen sich Spalier-Bäume ziehen - allerdings benötigen die genügend Breite – wegen dem stärkeren Wuchs. Schräge Formen funktionieren am besten – zu flache Äste neigen zum ‚Schießen‘, die senkrechten zum ‚Verkahlen‘.
Als Pflanzware wählt man Jungbäume aus dem normalen Bestand aus, welche bereits eine günstige Aststellung bieten. Die Wuchsstärke von Sorte und Unterlagen lassen sich passend zur angestrebten Endgröße und den Bodenbedingungen wählen.