Gärtnern trotz Klimawandel 

- ein paar Praxis-Tipps

Ohne Wasser wächst nichts – aber Wasser läßt sich managen!
Der Gartenschlauch alleine ist nicht die Lösung … 

Unterscheiden als Erstes:

o   Pflanzen, welche auch dauerhaft nicht ohne Versorgung auskommen – mehr oder weniger Bewässerung, je nach Witterung:  
Gemüse, manche Obstgehölze, Sommerblumen, Topfpflanzen.

o   Pflanzen, welche sich nach der Anwachsphase selbstständig etablieren und ohne Unterstützung klarkommen:  alle Bäume und andere größere Gehölze, Dauerbepflanzungen mit Stauden, mit Zier- und Wildsträuchern

In jedem Fall:
    angepasste Auswahl der Pflanzenarten und Optimierung des Standortes
                    > nachhaltig bessere Erfolge bei weniger Aufwand!

Strategische Aspekte:

Die Höhe des Aufwands läßt sich beeinflussen:

o   Töpfe und Tröge groß genug wählen, später entweder die Pflanzen zurückschneiden oder in größere umtopfen

o   Pflanzen passend zum Standort auswählen

o   Neupflanzungen im zeitigen Frühjahr, im Winter oder schon im Herbst.

o   Kleinere Exemplare tun sich leichter als größere.

o   Vitale Pflanzen sind härter im Nehmen: Exemplare, welche am Anfang kümmern haben es auch später noch lange schwer - zügige Anfangsentwicklung ist das Beste!

Standortbedingungen optimieren:

Wasserkapazität, Krümelstruktur und Bodenbelebung – Mehrwerte auch über die Trockenheit hinaus! Bodenpilze und Bakterien erschließen Wasser und Nährstoffe, welche die Pflanzen alleine nicht erreichen könnten. Vitale gut ernährte Pflanzen haben tiefere Wurzeln und vertragen mehr Stress.

Organische Düngung, Kompost und andere Humus-Formen sorgen für höhere Speicherfähigkeit im Boden. Daneben erleichtern sie auch das Eindringen der Wurzeln in tiefere Schichten, wodurch Pflanzen weitere Wasserreserven erreichen können.

Gezielte Steigerung der Wasserkapazität:
> Bentonit-Tonmehl – für leichte sandige Böden, bildet stabile saugfähige Krümel

Zum Mulchen geeignete Materialien – nach Geschmack und Situation: Herbstlaub, Grasschnitt, Heu, Stroh, Baumrinde, Häckselgut aus dem Garten u.a..
> halten das Wasser im Boden, bauen weiteren Humus auf und sorgen für mehr Bodenleben.

Wässern – wann, wieviel, womit:

Die Boden-Oberfläche ankratzen und schauen wie es darunter aussieht!
Im Frühsommer ist oft noch mehr Feuchte im Untergrund als man vermutet und im Frühjahr sowieso. Nicht wässern: die Wurzel braucht den Anreiz sich tiefere Schichten zu erschließen.
Wenn im Hochsommer der Boden tatsächlich austrocknet und auch weiter unten hell und staubig wird, bekommen die meisten Pflanzen Probleme. Arten welche mit dieser Extremsituation klarkommen besitzen tiefe Wurzeln, Möglichkeiten Wasser zu speichern oder/und ihre Verdunstung zu reduzieren.

Die häufigsten Fehler beim Bewässern:

o   Zu spät angefangen: der Trockenstress ist schon da, die Pflanzen sind schon geschwächt oder geschädigt

o   Oft, aber zu wenig: nur die Oberfläche wird feucht, an der Wurzel kommt nichts an.

o   Schwenkregner laufen bei Sonne oder Wind und nur ein Bruchteil des wertvollen Wassers hat Nutzen.

o   Zu früh schon dann wenn der Boden noch genug hat: die Pflanzenwurzeln bleiben in den oberen Schichten oder werden sogar geschädigt durch Fäulnis.

Bessere Methoden:

o   Mit längeren Abständen , dann aber reichlich – v.a. bei größeren Pflanzen, Gießrand damit das Wasser stehen bleibt und Zeit hat zum Einsickern

o   Faustregel 3 Tage aussetzen, den Pflanzen Zeit lassen.

o   Einsatz von Regnern morgens, abends oder nachts.

o   Bodenbedeckung – Wasser halten statt mehr wässern.  

o   Bei Tropf-Systemen kommt alles an im Untergrund!

Pflanzen besitzen unterschiedlich hohe Fähigkeiten sich an Bedingungen anzupassen. Manche sind sehr spezialisiert, die allermeisten jedoch besitzen ein recht breites Spektrum an geeigneten Standorten. Hinzu kommt, dass im Garten und in der Kultur-Landschaft der Mensch unterstützend eingreift: Bodenqualität, -struktur und -profil werden wachstumsfördernd optimiert – Konkurrenz wird ferngehalten.

Gärtnern in Mittel-Europa war in früheren Generationen recht entspannt – unser Boden war eigentlich nie ganz trocken. Auf den Regen konnte man sich verlassen: gut verteilt übers Jahr, je nach Standort mehr oder weniger. Die Grundversorgung war gesichert mit durchschnittlich 600 bis 800 Liter pro Quadratmeter.

Künftig müssen wir uns etwas mehr anstrengen,
Wasser sparsam und schlau einsetzen!