Frucht-Mandeln in Deutschland
Durch ihre Herkunft aus dem südwest-asiatischen Raum beginnt das Knospenschwellen der Mandelbäume sehr früh mit den ersten warmen Frühlingstagen, da sie nicht auf folgende Spätfröste programmiert sind. Geeignete Standorte finden sich im Weinbauklima, sowie in höheren kälteren Hanglagen, wo alle Obstblüten verzögert eintreten. Auch Einzelstandorte mit besonderem Kleinklima können passen – Kaltluftabfluß sollte auf jeden Fall gewährleistet sein.
Für gute Fruchtreife brauchen Mandeln maximale Wärmemenge: offene, vollsonnige Lage und genügend lange sonnige Sommer. An vielen Standorten wird es daher Glücksache sein, mit ein paar Händen voll nicht sehr großer Mandelfrüchte alle 5 Jahre – aber immerhin einem prachtvollen Frühlingsblütenbaum im Garten. Andererseits kann die Mandel als Klimagewinner gelten – es wird künftig in Mitteleuropa immer mehr Standorte und mehr Sommer geben, wo Mandeln fruchten!
frühes Drittel:
Dürkheimer Krachmandel
Geisenheim IV
Palatina
Princesse
Tenero
mittleres Drittel:
Texas
spätes Drittel:
Perle der Weinstrasse
sehr spät:
Ferraduel
Ferragnes
Ferrastar
Lauranne - selbstbestäubend
Mandelbäume blühen am 1-jährigen Trieb, weshalb sie regelmäßigen Schnitt nicht nur gut vertragen, falls ein kleiner Baum erwünscht ist, sondern sogar größere und mehr Früchte liefern und länger vital bleiben. Je nach Bedingungen können die Bäume andererseits auch groß und alt werden. Geeignet als Veredlungsunterlage sind Pflaumen-Typen mit geringer Ausläuferbildung und die leider selten verfügbaren Mandelsämlinge. Empfindlich sind Mandeln für Staunässe, Kalkböden dagegen werden gut vertragen.
Biologisch bedingt sind Mandeln ursprünglich selbstunfruchtbar und zur Fruchtbildung auf fremden Pollen angewiesen. In verschiedenen Ländern wird an selbstbestäubenden Sorten gezüchtet. Erste Ergebnisse daraus sind die französische ‚Lauranne‘ und die italienische ‚Tuono‘.
Mandel und Pfirsich sind eng miteinander verwandt und aus einer solchen interspezifischen Befruchtung können Früchte und keimfähige Samen entstehen. Für die immer wieder auftauchende Aussage, dass Pfirsich-Blüten als Bestäuber für einen befriedigenden Fruchtertrag ausreichend seien, konnte ich jedoch bisher keinerlei Belege finden. Für eine sichere Fruchtbildung müssen daher 2 verschiedene, gleichzeitig blühende Mandelsorten empfohlen werden, welche im Einzugsbereich eines Bienenvolkes stehen.
Die Vollblüte der Mandeln erfolgt in Deutschland je nach Sorte, Lage und Witterungsverlauf zwischen Ende Februar und Mitte April.
In Südfrankreich und dem übrigen Mittelmeerraum finden sich zahlreiche traditionelle Mandelsorten, deren Blütezeiten sich von sehr früh bis sehr spät erstrecken. Die Sorten welche traditionell im kurpfälzischen-hessischen Anbaugebiet verbreitet waren sind alle spät blühend, eventuell sehr spät – eine genaue Klassifizierung steht noch aus: Dürkheimer Riesenmandel, Geisenheim IV, Weiße Krachmandel, Keilmandel, Große Prinzessmandel, Ungsteiner Süßmandel, Gimmeldinger Süßmandel. Weitere bewährte neuere Mandeln: Palatina, Tenero, Robijn. Die rosablühenden Bastard-Sorten mit Pfirsich-Einkreuzungen werden vor allem als Zierbäume angepflanzt: Perle der Weinstraße, Mandelkönigin, Rosa Nr.10. Die Kerne dieser Sorten sind zwar schwer zu knacken, aber ebenfalls eßbar und die Kerne aromatischer - aufgrund des höheren Gehaltes an Blausäure (bei Verzehr in normalen Mengen unbedenklich). Auch sie können als Bestäubersorten dienen für die echten Fruchtmandeln, welche weiß blühen.
Literatur:
Ctifl 1997: l’Amandier
P. Eisenbarth: Einheimische Mandeln
Kulturgeschichte, Mandelanbau in Deutschland, 28 Sortenportraits