Edelkastanien in Deutschland
Welche Aspekte sind bei der Sorten-Wahl zu beachten?
Klima:
Kritisch sind Frühjahrsfröste und der Zeitpunkt des Austriebs – aber auch sehr viele Lagen außerhalb des Weinbauklimas sind geeignet.
o für Weinbauklima: alle aufgeführten Sorten - kaum Spätfrostgefahr.
o für gemäßigte Lagen: mittel- u. spät-austreibende Sorten - sortenbedingt später.
o höhere Lagen bis 500m: bei günstigem Kleinklima - standortbedingt später.
Die Blüte der Edelkastanie beginnt allerfrühestens ab Ende Mai. Frost kann die weichen Jungtriebe allerdings schon im April während der Entwicklungsphase schädigen.
Bestäubung:
Sehr viele Edelkastanien-Bäume tragen deshalb nicht, weil der Bestäuber fehlt - in der Regel sind die Sorten Fremdbefruchter:
o Die männlichen Blüten öffnen früher und werfen große Mengen Pollen aus.
o Die Blütezeiten müssen sich überdecken -> siehe Tabelle.
o Da die Bestäubung durch den Wind erfolgt und die Bäume große Pollenmengen produzieren, erfolgt auch bei über 300 m noch ausreichende Bestäubung.
o Optimal als Bestäuber sind Sämlingskastanien oder sortenreiche Pflanzungen.
o Die Sorte 'Ecker1' ist sicher selbstfruchtbar, manche andere Sorten teilweise.
Früchte:
Auch in den Fruchteigenschaften sind Edelkastanien sehr unterschiedlich:
o Größe, Farbe, Geschmack
o Schälbarkeit, Haltbarkeit
o Verhalten beim Kochen und sonstigen Verarbeiten
Weitere Informationen finden Sie in unseren Sortenbeschreibungen und in der Obstsorten-Datenbank www.obstgarten.biz.
Krankheiten und Schädlinge:
Kastanien-Krebs:
o Bisher v.a. südlich der Alpen, fleckenweise in der Schweiz und in Süd-Deutschland
o Hat sich nicht so stark ausgebreitet wie anfangs befürchtet.
o Empfehlenswerte, widerstandsfähige Sorten sind Kreuzungen mit der unempfindlichen Castanea crenata aus Japan: Maraval, Marigoule, Marsol, Marlhac, Bournette, Bouche de Betizac, Précoce Migoule, Marissard.
Kastanien-Gallwespe:
o Dieser noch recht neue Schädling verursacht empfindliche Schwächungen der Bäume, was sich verständlicherweise auf die Erträge auswirkt.
o Um 2015 ist das Insekt in Deutschland angekommen und verbreitet sich vor allem in milderen Regionen.
o An großen Bäumen ist keine Bekämpfung möglich. Mittelgroße Bäume können durch Schnitt angeregt werden und mit Wurzel-Förderung vital gehalten werden. An Jungbäumen lassen sich erste Gallen mit den Larven noch absammeln und der Befall kann so mindestens kurzfristig aufhalten werden.
o Man hofft auf einen antagonistischen Nützling welcher den Schädling im Gleichgewicht halten könnte.
Tintenkrankheit:
o Gefährliche Pilzinfektion über die Wurzel. In Frankreich zeitweise große Probleme und in den letzten Jahren wieder zunehmend.
Standort-Bedingungen:
o Staunässe begünstigt Pilz-Infektionen und schadet der Vitalität. Kastanien bevorzugen tiefgründige, gut durchlüftete Böden.
o Sehr empfindlich sind sie für hohe pH-Wert über 7,5. Das Laub reagiert mit Vergilben und die Bäume kümmern.